Sonja Kuhn, Schweizerische Management Gesellschaft SMG

2013 – Interview mit Sonja Kuhn, SMG

«Manchmal ist Kommunikation die Quadratur des Kreises»

Die Schweizerische Management Gesellschaft ( SMG ) setzt beim visuellen Auftritt seit 2010 auf hellermeier. Höchste Zeit für einen Blick durch die Lupe – und für eine Tasse Tee mit der Geschäftsführerin Sonja Kuhn.

Sonja Kuhn, die SMG ist eine exklusive Vereinigung der Wirtschaftselite.

Nein. Es sind neben bekannten Persönlichkeiten ganz viele Führungskräfte Mitglieder, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Elite? Ganz klar nein.

Die SMG schreibt sich Exklusivität auf die Fahne, doch kann man bei 1200 Mitgliedern von exklusiv sprechen?

Exklusiv im Sinne der Bedingungen. Es werden zum Beispiel nur Personen als Mitglieder aufgenommen, die in der Firma der Geschäftsleitung angehören oder die ein Unternehmen mit mindestens fünf Angestellten führen. Erst dann hat man eine grössere Führungsaufgabe.

Wie hilft die SMG den Managern, Verwaltungsrätinnen und Unternehmern?

Ganz wichtig ist der Blick über den Tellerrand, das Gespräch über die Branche hinaus, der interdisziplinäre Austausch. Wenn ein Pharma-Chef über Innovation spricht, geht es um andere Innovationsbemühungen als bei der KMU-Inhaberin, die den Anlass besucht. Unsere Mitglieder lernen voneinander und sie tun etwas gegen die Einsamkeit der Führungsposition. Sie tauschen sich auf Augenhöhe aus.

Die Kommunikation ist ein komplexer Teil Ihrer Aufgabe. Einerseits gehört der Anspruch des vertraulichen Rahmens dazu. Andererseits will die SMG trotz der SMG-Exklusivität sichtbarer werden.

Manchmal wirkt es wie die Quadratur des Kreises. Wenn wir die Presse dabei hätten, würde der Austausch leiden – dieses Gefühl, unter seinesgleichen auch heikle Themen ansprechen zu können. Ab 2014 werden wir neben den etablierten Anlässen neu Leadership Meetings durchführen. Diese dienen dem Wissenstransfer zwischen Lehre, Think Tanks, Beratungsunternehmen und Praxis. Da werden wir auch mal eine Zeitung einladen.

Sie sind seit drei Jahren Geschäftsführerin. Wie hat sich das Kommunikationsverhalten verändert?

Die SMG war sehr formell. Mein Zugang ist etwas frischer, ich sende auch mal eine etwas direktere Mail an Mitglieder. Der grösste Wechsel war allerdings das Magazin «management», das ich von meinem Vorgänger übernehmen und bei dem ich direkt in die zweite Ausgabe einsteigen konnte. Seither entwickeln wir die Publikation weiter, um auch hier die Interessen unserer Mitglieder genau zu treffen.

Ihre Kunden sind Manager mit übervollen Kalendern. Wie gewinnen Sie deren Aufmerksamkeit?

Wir können sie einzig und allein durch Relevanz abholen. Unser Anlass muss noch wichtiger sein als andere wichtige Dinge. Es gibt ein Überangebot an Veranstaltungen und Wissen, aber unser Anspruch ist enorm hoch. Er fliesst in die Auswahl der Firmen ein, die wir besuchen, und dann hieven wir den Anlass in der Vorbereitung gemeinsam auf SMG-Niveau. Anstelle einer harmlosen Betriebsbesichtigung erzählt uns die Chefin des Unternehmens zum Beispiel, wie eine Fusion tatsächlich vonstatten ging.

Sie ziehen die Schraube immer noch ein bisschen weiter an?

Wir schärfen ohne Pause das Profil, auch kommunikativ. Da geht es zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit André Heller darum, über den visuellen Auftritt Substanz, Exklusivität und Frische zu vermitteln.

Sie machen sich Gedanken zu sozialen Medien wie Xing, Linkedin und Facebook. Geht es Ihnen vor allem um die Akquisition von jüngeren Mitgliedern?

Nein, unsere Altersstruktur passt. Sie ergibt sich aus der Lebensphase, ab der Führungskräfte in die Geschäftsleitung aufsteigen. Zudem finden uns 90 Prozent der Neumitglieder dank Mundpropaganda von Mitgliedern. Mir geht es vor allem um die sich ändernden Gewohnheiten. Wer wünscht die digitale Vernetzung mit der SMG, wer möchte Informationen in gedruckter Form erhalten?

Sie attestieren der SMG grosses Potenzial. Worin besteht es?

Die Gesellschaft ist heute ein etwas eingeschworener Kreis und wir können in der Breite wachsen. Die Pharma-Branche ist zum Beispiel knapp vertreten, wir sind mit der französischen Schweiz kaum verbunden und der Frauenanteil beträgt nur sechs Prozent.

Wohin führen Sie die SMG in den nächsten zwei Jahren?

Wir werden neue Gefässe etablieren, die sich über den Event hinaus auswirken. Dazu gehören die erwähnten Leadership Meetings. Kommunikativ will ich erreichen, dass niemals mehr jemand denkt, die SMG biete « Cüpli-Events » an wie so viele andere Netzwerke. Eine solche Einschätzung trifft mich. Nein, bei uns geht es um den Austausch auf Augenhöhe und um Einblicke in die Praxis jenseits der üblichen Standardpräsentationen.

Sie kommunizieren diesen Anspruch fast täglich. Haben Sie in der Zwischenzeit Sätze dafür geschliffen, die immer funktionieren?

Ich erlebe etwas ganz anderes. Meine manchmal sehr unverblümte Art ist mit Abstand das beste Vorgehen. Das sind die Leute nicht mehr gewohnt. Kürzlich erhielt ich zum Beispiel einen Referattext zum Voraus. Ich rief an und sagte, dass mir bei diesem Titel die Füsse einschlafen. Oft öffnet diese Direktheit mehr Türen, als es geschliffene Sätze je könnten.

Und manchmal auch nicht?

( Sie lacht herzhaft. ) Dann muss ich leicht korrigieren und etwas Honig auf die scharfe Aussage streichen.

 

Interview: Dave Hertig, Foto: Nici Jost

 

Mehr Informationen www.smg.ch